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Presseberichte
Es gibt ein Leben nach der Post
Was könnte deutscher sein als das Klischee des Postlers, Inbegriff für Bürokratie und Spießertum? So
stilisiert sich der 1956 in Itzehoe geborene Kabarettist Helmut Hoffmann erfolgreich als männliche
Christel von der Post und gibt seinen Schalterbeamten Hans-Hermann Thielke seit 1998 ebenso kauzig
wie treffend. Das Beste daran: Der Mann weiß, wovon er spricht, schließlich war er jahrelang selbst
beim gelben Riesen angestellt. Bei Thielke stimmt alles: maßgeschneiderte Figur, hohe
Bühnenpräsenz, hintergründiger Text und raffiniertes Timing. Im Rahmen des Freiburger Grenzenlos-
Festivals zeigte Hoffmann nun seine neue Show “Jetzt oder nie!” im
SWR-Foyer.
Vor einem billigen Glitzervorhang steht unbeholfen ein ältlicher Mann in
Pullunder und Karostoffhose, das schüttere Resthaar gestriegelt, die
Laune bestens. Eine aparte Mischung aus Heinz Erhardt und Mister
Bean, die nur deswegen so gut funktioniert, weil sie vollkommen
authentisch rüberkommt: Ungelenk schlenkern die Arme, umständlich
fabuliert er sich durch abstruse Nebensächlichkeiten, rührend ist seine
Begeisterung über den eigenen Aufbruch. Sein gewagtes Motto: Es gibt
ein Leben nach der Post!
Nach dreißig Jahren Schalterdienst will Thielke in Showbusiness und “den
Fernseher von der anderen Seite kennenlernen”. Angespornt von seinem
Motivationsseminar 50 plus bei der Agentur für Arbeit zeigt er nun
erstmals seine Kunst. Und damit sich als dummen August: Ob schräge
Schlager auf der Wandergitarre, Jonglage mit drei Seidentüchern oder
rückensteife Tanzperformance auf einem Schreibtischstuhl - dieser Typ ist
leider ein Dilettant ohne jeden Funken Talent und Esprit.
Aber genau dafür fliegen ihm die Herzen zu: Mittels ausgefeilter Ironie
packt Hoffmann die Träume des kleinen Mannes in eine Figur, die nie aus der eigenen Haut
herauskommt - und gerade durch ihren Mut zum Scheitern weit über sich hinauswächst. Das ist keine
billige Comedy auf Kosten anderer, das ist ein glückliches Lachen über sich selbst, die Begrenzungen
des Lebens und die Komik von Hoffnung und Niederlage. Dabei ist Hoffmann auch ein Meister der
subtilen Überraschungen: Alltagsszenen entwickeln sich bizarr, schlechte Witze werden verstolpert,
peinliche Pausen zu Supergags. Grandios!
Badische Zeitung, 23.01.2009
Es gibt ein Leben nach der Post
Von unserem Mitarbeiter Georg Ahrens,
Bremerhaven
Vom Jungzusteller bis zum Dienst hinter dem
Schalter: Sein ganzes Berufsleben hat er bei der
Post verbracht. Nun ist er entlassen worden. “Damit
meine überragenden Fähigkeiten der freien
Wirtschaft zugutekommen können”, sagt der Mann
mit dem gelben Pullunder, der wohl noch aus der
Kleiderkammer der Post AG stammt. Jetzt lässt er
sich von der Agentur für Arbeit in der
“Aufbaugruppe Ü 50” umschulen. Er fühlt sich
berufen im “Schaugeschäft” zu arbeiten - deshalb
war er wohl auch ins gut besuchte Theater im
Fischereihafen (TiF) gekommen.
Er freue sich, dass die
meisten der Zuschauer
gekommen seien, sein
Name sei Hans-
Hermann Thielke, “was
nicht jeder von sich
behaupten kann”. Es
verwundert, dass er
den Bindestrich nicht
mitspricht, denn mit
Hirn und Herz scheint
der Mann immer noch im Postdienst zu sein.
Jeden Satz dröselt er zur Gaudi der Zuschauer so
lange zurecht, bis er unmissverständlich scheint:
“Wenn ich ‘Sie’ sage, dann meine ich nicht Sie da
vorne, Sie aber auch, sondern Sie alle, auch Sie
dahinten. Und wenn ich ‘ich’ sage, dann meine ich
das auch so.”
Nach diesem Nonsens kommt der Mann mit der
Hornbrille langsam in Fahrt. Ein Marder hat sich im
Motorblock seines betagten Autos eingenistet. Bei
dem Versuch das Tier mit allen Mitteln zu
vertreiben, hat ihn eine Nachbarin beobachtet und
eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil er gegen
den Naturschutz verstoßen habe. Jetzt ist sein
Fahrzeug amtlich stillgelegt worden, und der
Marder kann sich da richtig breitmachen. “Aber
nicht mehr lange, denn ich werde eine
Räumungsklage wegen Eigenbedarf einreichen.”
Kopf in die Kühltruhe
Einfach köstlich, wie der ehemalige Postbeutel mit
den Tücken des Alltags kämpft, wie er sich mit dem
Kopf in der Tiefkühltruhe vergräbt, um nicht von
seinem Kollegen gesehen zu werden, und ihm
dabei die Haare anfrieren. Dann, ganz wichtig,
seine Tipps zum Thema Positives Denken.
“Beispiel, die Fliege an der Wand: Darüber kann
man sich ja schwarz ärgern, muss man aber nicht,
denn es gibt ja auch Eintagsfliegen. Am Abend hat
sich das Problem dann von selbst erledigt, für Sie,
nicht für die Fliege, denn die hat ja eine ganz
andere Bindung an Sie, hat sie doch ihr ganzes
Leben bei Ihnen verbracht.”
Das alles war Spaß auf höchstem Niveau mit einem
großartigen Hans-Hermann Thielke, der immer
etwas verunsichert wirkte, der in den zwei Stunden
keine Miene verzog und das lachen den
Zuschauern überließ. Es mag wohl in den vielen
Jahren hinter dem Postschalter vergangen sein.
Nordsee Zeitung, 17.02.2009
Postler auf dem Weg nach oben
Für eingefleischte Hans-Hermann Thielke Fans hört
sich das neue Programm “Jetzt oder nie!” eigentlich
nach Katastrophe an. Ein Leben nach der Post, für
den Postler an und für sich, das kann doch gar nicht
sein. Und um es es gleich vorweg zu sagen: Doch,
es kann sein und ist sogar klasse.
Vom Schalter auf die Bühne
Bisher waren es ja nur Gerüchte, doch Thielke hat
mit der Post allem Anschein nach wirklich Schluss
gemacht. Keine Uniform, keine Briefmarken und
kein Schalter waren im Pumpwerk zu sehen. Die
Zukunft liegt im Showbusiness und den Weg dorthin
verfolgt der Mann auf der Bühne gnadenlos.
Natürlich verließ Thielke die Post nicht ganz
freiwillig. Dass sich Thielke vom Schalter weg und
den Bühnenbrettern zuwandte hat mehr mit seinem
Chef zu tun, der ihm offerierte, dass Deutschland,
und nicht die Post, Männer wie ihn bräuchte.
Thielke wäre nun nicht Thielke, wenn er nicht
schnellstens gelernt hätte, wie es auf dem freien
Markt zugeht. Wichtigste Regel: Denke positiv. Soll
heißen, wenn man im Stau steht, sollte weniger der
Ärger über verlorene Zeit, als vielmehr das Glück,
diesen Autobahnabschnitt besonders gut
kennenlernen zu dürfen, im Mittelpunkt stehen. Vor
nichts, aber auch gar nichts machte der ehemalige
Postler Halt auf seinem Weg nach oben. Wobei nie
ganz klar wurde, ob er sich auf die Dinge stürzte
oder ob nicht doch eher die Dinge über ihm
zusammenstürzten. Seien es Castings, Tanz-,
Jonglierveranstaltungen oder Typ- und Style-
Beratungen.
Stoisch und unbeirrbar ging Thielke seinen Weg.
Und das zum Glück wie eh und je. Auch wenn von
der Post nicht viel zu sehen war. Thielke war immer
noch Thielke. Einen Besenstiel, ach was, einen
ganzen Lattenrost im Kreuz, brachte er das
Publikum immer wieder zu Toben.
Mehrmals musste Hans-Hermann Thielke zum
Schluss auf die Uhr verweisen und erklären, dass
das Programm zu Ende sei. Es stimmt eben trotz
allem. Einmal Post, immer Post, und die macht nun
einmal pünktlich Schluss.
Schwetzinger Zeitung, 31.01.2009
Neue Kolumne im Reporter am Wochenende
Neustadt - 10. Februar 2010
Ostholstein
Ab sofort können Sie sich auf die neue Kolumne "Thielke meint:"
am Wochenende freuen. Der aus Funk und Fernsehen bekannte
Comedian wird in dieser Serie seine Gedanken zu den großen
und kleinen Problemen Ostholsteins mitteilen. Eine erste
Kostprobe seiner Kolumne gibt es schon heute zum Thema
"Salzmangel": "Wissen sie, was in diesen Tagen der begehrteste
Artikel in Ostholsteiner Supermärkten ist ? Viel mehr noch als
Fertigpizza, Kartoffelchips oder Dosenbier? Nein? Es ist das Salz.
Das gute alte Salz wird knapp. Besser gesagt das Streusalz. Im
freien Verkauf kaum noch erhältlich, muss man inzwischen auf
dem Schwarzmarkt tief in die Tasche greifen, wenn man auf
vereisten Gehwegen nicht sein Gleichgewicht verlieren will. Der
Winter hat uns alle fest im Griff! Dabei hatte alles so harmlos
angefangen. Bis Mitte Dezember nur milde Temperaturen. Ein
Winter wie immer dachte ich. Bald werden die ersten Krokusse
aus den Beeten sprießen und dann wird es Frühling. Aber
diesmal kam es anders. – Ganz anders, wie wir inzwischen alle
wissen! In Norddeutschland herrscht der Ausnahmezustand! Für Kinder ist die allgemeine Schulpflicht
bis auf Weiteres aufgehoben, Hiddensee wird aus der Luft versorgt und als ich gestern aus meinem
Fenster blickte, sah ich einen Jungen aus der Nachbarschaft in meiner Garagenauffahrt Schlittschuh
laufen. Wie gerne hätte ich ihm diesen Spaß versalzen. Aber womit? Ich hab nichts mehr. Nur noch
einen ganz kleinen Rest Speisesalz, und den brauch ich zum kochen. Salzarm natürlich, der Rest ist
für den Bürgersteig. So einen Notstand wie in diesem Winter möchte ich nicht noch mal erleben. In
Zukunft werde ich rechtzeitig vorsorgen. Gleich, wenn die aktuelle Salzkrise erstmal überwunden ist,
gehe ich auf Shoppingtour! Dann kaufe ich alles, was der freie Markt uns so lange nicht hergeben
wollte. Und meinen Keller baue ich um. - Zu einem Vorratslager. Da kann ich dann bequem bis zu drei
Tonnen Streusalz beheizt und trocken lagern. Und wenn dann in zwei, drei oder auch erst in zehn
Jahren der Winter zurückkommt, mit Eis, Schnee und Frost bis minus 30 Grad, gehe ich runter in
meinen Keller, prüfe meine Bestände und weiß, dass mich für den Rest meines Lebens kein noch so
spiegelblanker Fußweg mehr zu Fall bringen kann."
Hans-Hermann Thielke