Copyright: 2010, Lothar Juli  Kontakt  |   Impressum Presseberichte Es gibt ein Leben nach der Post Was könnte deutscher sein als das Klischee des Postlers, Inbegriff für Bürokratie und Spießertum? So stilisiert sich der 1956 in Itzehoe geborene Kabarettist Helmut Hoffmann erfolgreich als männliche Christel von der Post und gibt seinen Schalterbeamten Hans-Hermann Thielke seit 1998 ebenso kauzig wie treffend. Das Beste daran: Der Mann weiß, wovon er spricht, schließlich war er jahrelang selbst beim gelben Riesen angestellt. Bei Thielke stimmt alles: maßgeschneiderte Figur, hohe Bühnenpräsenz, hintergründiger Text und raffiniertes Timing. Im Rahmen des Freiburger Grenzenlos- Festivals zeigte Hoffmann nun seine neue Show “Jetzt oder nie!” im SWR-Foyer. Vor einem billigen Glitzervorhang steht unbeholfen ein ältlicher Mann in Pullunder und Karostoffhose, das schüttere Resthaar gestriegelt, die Laune bestens. Eine aparte Mischung aus Heinz Erhardt und Mister Bean, die nur deswegen so gut funktioniert, weil sie vollkommen authentisch rüberkommt: Ungelenk schlenkern die Arme, umständlich fabuliert er sich durch abstruse Nebensächlichkeiten, rührend ist seine Begeisterung über den eigenen Aufbruch. Sein gewagtes Motto: Es gibt ein Leben nach der Post! Nach dreißig Jahren Schalterdienst will Thielke in Showbusiness und “den Fernseher von der anderen Seite kennenlernen”. Angespornt von seinem Motivationsseminar 50 plus bei der Agentur für Arbeit zeigt er nun erstmals seine Kunst. Und damit sich als dummen August: Ob schräge Schlager auf der Wandergitarre, Jonglage mit drei Seidentüchern oder rückensteife Tanzperformance auf einem Schreibtischstuhl - dieser Typ ist leider ein Dilettant ohne jeden Funken Talent und Esprit. Aber genau dafür fliegen ihm die Herzen zu: Mittels ausgefeilter Ironie packt Hoffmann die Träume des kleinen Mannes in eine Figur, die nie aus der eigenen Haut herauskommt - und gerade durch ihren Mut zum Scheitern weit über sich hinauswächst. Das ist keine billige Comedy auf Kosten anderer, das ist ein glückliches Lachen über sich selbst, die Begrenzungen des Lebens und die Komik von Hoffnung und Niederlage. Dabei ist Hoffmann auch ein Meister der subtilen Überraschungen: Alltagsszenen entwickeln sich bizarr, schlechte Witze werden verstolpert, peinliche Pausen zu Supergags. Grandios! Badische Zeitung, 23.01.2009 Es gibt ein Leben nach der Post Von unserem Mitarbeiter Georg Ahrens, Bremerhaven Vom Jungzusteller bis zum Dienst hinter dem Schalter: Sein ganzes Berufsleben hat er bei der Post verbracht. Nun ist er entlassen worden. “Damit meine überragenden Fähigkeiten der freien Wirtschaft zugutekommen können”, sagt der Mann mit dem gelben Pullunder, der wohl noch aus der Kleiderkammer der Post AG stammt. Jetzt lässt er sich von der Agentur für Arbeit in der “Aufbaugruppe Ü 50” umschulen. Er fühlt sich berufen im “Schaugeschäft” zu arbeiten - deshalb war er wohl auch ins gut besuchte Theater im Fischereihafen (TiF) gekommen. Er freue sich, dass die meisten der Zuschauer gekommen seien, sein Name sei Hans- Hermann Thielke, “was nicht jeder von sich behaupten kann”. Es verwundert, dass er den Bindestrich nicht mitspricht, denn mit Hirn und Herz scheint der Mann immer noch im Postdienst zu sein. Jeden Satz dröselt er zur Gaudi der Zuschauer so lange zurecht, bis er unmissverständlich scheint: “Wenn ich ‘Sie’ sage, dann meine ich nicht Sie da vorne, Sie aber auch, sondern Sie alle, auch Sie dahinten. Und wenn ich ‘ich’ sage, dann meine ich das auch so.” Nach diesem Nonsens kommt der Mann mit der Hornbrille langsam in Fahrt. Ein Marder hat sich im Motorblock seines betagten Autos eingenistet. Bei dem Versuch das Tier mit allen Mitteln zu vertreiben, hat ihn eine Nachbarin beobachtet und eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil er gegen den Naturschutz verstoßen habe. Jetzt ist sein Fahrzeug amtlich stillgelegt worden, und der Marder kann sich da richtig breitmachen. “Aber nicht mehr lange, denn ich werde eine Räumungsklage wegen Eigenbedarf einreichen.” Kopf in die Kühltruhe Einfach köstlich, wie der ehemalige Postbeutel mit den Tücken des Alltags kämpft, wie er sich mit dem Kopf in der Tiefkühltruhe vergräbt, um nicht von seinem Kollegen gesehen zu werden, und ihm dabei die Haare anfrieren. Dann, ganz wichtig, seine Tipps zum Thema Positives Denken. “Beispiel, die Fliege an der Wand: Darüber kann man sich ja schwarz ärgern, muss man aber nicht, denn es gibt ja auch Eintagsfliegen. Am Abend hat sich das Problem dann von selbst erledigt, für Sie, nicht für die Fliege, denn die hat ja eine ganz andere Bindung an Sie, hat sie doch ihr ganzes Leben bei Ihnen verbracht.” Das alles war Spaß auf höchstem Niveau mit einem großartigen Hans-Hermann Thielke, der immer etwas verunsichert wirkte, der in den zwei Stunden keine Miene verzog und das lachen den Zuschauern überließ. Es mag wohl in den vielen Jahren hinter dem Postschalter vergangen sein. Nordsee Zeitung, 17.02.2009 Postler auf dem Weg nach oben Für eingefleischte Hans-Hermann Thielke Fans hört sich das neue Programm “Jetzt oder nie!” eigentlich nach Katastrophe an. Ein Leben nach der Post, für den Postler an und für sich, das kann doch gar nicht sein. Und um es es gleich vorweg zu sagen: Doch, es kann sein und ist sogar klasse. Vom Schalter auf die Bühne Bisher waren es ja nur Gerüchte, doch Thielke hat mit der Post allem Anschein nach wirklich Schluss gemacht. Keine Uniform, keine Briefmarken und kein Schalter waren im Pumpwerk zu sehen. Die Zukunft liegt im Showbusiness und den Weg dorthin verfolgt der Mann auf der Bühne gnadenlos. Natürlich verließ Thielke die Post nicht ganz freiwillig. Dass sich Thielke vom Schalter weg und den Bühnenbrettern zuwandte hat mehr mit seinem Chef zu tun, der ihm offerierte, dass Deutschland, und nicht die Post, Männer wie ihn bräuchte. Thielke wäre nun nicht Thielke, wenn er nicht schnellstens gelernt hätte, wie es auf dem freien Markt zugeht. Wichtigste Regel: Denke positiv. Soll heißen, wenn man im Stau steht, sollte weniger der Ärger über verlorene Zeit, als vielmehr das Glück, diesen Autobahnabschnitt besonders gut kennenlernen zu dürfen, im Mittelpunkt stehen. Vor nichts, aber auch gar nichts machte der ehemalige Postler Halt auf seinem Weg nach oben. Wobei nie ganz klar wurde, ob er sich auf die Dinge stürzte oder ob nicht doch eher die Dinge über ihm zusammenstürzten. Seien es Castings, Tanz-, Jonglierveranstaltungen oder Typ- und Style- Beratungen. Stoisch und unbeirrbar ging Thielke seinen Weg. Und das zum Glück wie eh und je. Auch wenn von der Post nicht viel zu sehen war. Thielke war immer noch Thielke. Einen Besenstiel, ach was, einen ganzen Lattenrost im Kreuz, brachte er das Publikum immer wieder zu Toben. Mehrmals musste Hans-Hermann Thielke zum Schluss auf die Uhr verweisen und erklären, dass das Programm zu Ende sei. Es stimmt eben trotz allem. Einmal Post, immer Post, und die macht nun einmal pünktlich Schluss. Schwetzinger Zeitung, 31.01.2009 Neue Kolumne im Reporter am Wochenende Neustadt - 10. Februar 2010 Ostholstein Ab sofort können Sie sich auf die neue Kolumne "Thielke meint:" am Wochenende freuen. Der aus Funk und Fernsehen bekannte Comedian wird in dieser Serie seine Gedanken zu den großen und kleinen Problemen Ostholsteins mitteilen. Eine erste Kostprobe seiner Kolumne gibt es schon heute zum Thema "Salzmangel": "Wissen sie, was in diesen Tagen der begehrteste Artikel in Ostholsteiner Supermärkten ist ? Viel mehr noch als Fertigpizza, Kartoffelchips oder Dosenbier? Nein? Es ist das Salz. Das gute alte Salz wird knapp. Besser gesagt das Streusalz. Im freien Verkauf kaum noch erhältlich, muss man inzwischen auf dem Schwarzmarkt tief in die Tasche greifen, wenn man auf vereisten Gehwegen nicht sein Gleichgewicht verlieren will. Der Winter hat uns alle fest im Griff! Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Bis Mitte Dezember nur milde Temperaturen. Ein Winter wie immer dachte ich. Bald werden die ersten Krokusse aus den Beeten sprießen und dann wird es Frühling. Aber diesmal kam es anders. – Ganz anders, wie wir inzwischen alle wissen! In Norddeutschland herrscht der Ausnahmezustand! Für Kinder ist die allgemeine Schulpflicht bis auf Weiteres aufgehoben, Hiddensee wird aus der Luft versorgt und als ich gestern aus meinem Fenster blickte, sah ich einen Jungen aus der Nachbarschaft in meiner Garagenauffahrt Schlittschuh laufen. Wie gerne hätte ich ihm diesen Spaß versalzen. Aber womit? Ich hab nichts mehr. Nur noch einen ganz kleinen Rest Speisesalz, und den brauch ich zum kochen. Salzarm natürlich, der Rest ist für den Bürgersteig. So einen Notstand wie in diesem Winter möchte ich nicht noch mal erleben. In Zukunft werde ich rechtzeitig vorsorgen. Gleich, wenn die aktuelle Salzkrise erstmal überwunden ist, gehe ich auf Shoppingtour! Dann kaufe ich alles, was der freie Markt uns so lange nicht hergeben wollte. Und meinen Keller baue ich um. - Zu einem Vorratslager. Da kann ich dann bequem bis zu drei Tonnen Streusalz beheizt und trocken lagern. Und wenn dann in zwei, drei oder auch erst in zehn Jahren der Winter zurückkommt, mit Eis, Schnee und Frost bis minus 30 Grad, gehe ich runter in meinen Keller, prüfe meine Bestände und weiß, dass mich für den Rest meines Lebens kein noch so spiegelblanker Fußweg mehr zu Fall bringen kann." Hans-Hermann Thielke